Eigentlich wollte ich in Arad die alte Festung besichtigen. Nachdem ich den Weg bis zum Eingang passiert hatte, stand ich plötzlich vor einer militärbewachten Durchfahrt. Auf Nachfrage, ob ich denn die Festung besichtigen kann, bekam ich nur die Antwort dass die Informationen im Internet alt sind, die Karte auf der die Festung als zugänglich dargestellt wird „scheisse“ – und das Gelände nun Militäreigentum ist.
Naja, war wohl nix mit Festung besichtigen…
Dafür hatte ich eine sehr amüsante Zeit bei meinen Hosts in Arad. Zwischen türkischem Essen und Einführung in den traditionellen türkischen Tanz, hatte ich einige aufschlussreiche Gespräche bzgl. der Situation in der Türkei.
Nachdem ich Anton wieder in Timisoara bei Rodica angetroffen habe, geht es gemeinsam zu unserem nächsten Host Andrei nach Resita. Wir verweilen dort nur eine Nacht und da Anton den Weg bis Athen läuft (somit auch diese Abschnitte) startet er früh morgens um die ca. 40km entfernte Stadt „Caransebes“ im Tageslicht zu erreichen.
Für mich ist die ganze Sache etwas leichter – da eine so lange Strecke mit meinen 21 Kg auf dem Rücken nicht in Frage kommt, bewege ich mich als Anhalter weiter. Das geht in Rumänien erstaunlich gut. Auch viele Einheimische bewegen sich so von Ort zu Ort. Neuer Rekord: 5-10sek Wartezeit… ich hatte nicht einmal die Möglichkeit in die Kamera zu sprechen.
Damit war ich bereits um 9:30 Uhr in Caransebes und wartete auf Anton :D.
Der gleiche Fall trägt sich ein Tag später zu auf dem Weg zu dem südlich gelegenen Örtchen Rusca. Es wird schnell klar, dass es für mich wenig Sinn ergibt. Denn als Anhalter bewege ich mich nun mal um einiges schneller und kann andere Strecken zurücklegen.
Auch wenn ich die Zeit mit Anton vermisse, freue ich mich sehr wieder eine größere Strecke zurückzulegen.
Nebenvermerk: Das Reisen mit Anton (mehrere kleinere Stationen)ist erheblich teurer, da in den kleinen Ortschaften meistens keine Möglichkeit besteht via Couchsurfing eine Unterkunft zu finden und man eine Unterkunft bucht (vor allem wenn es regnet).
Das Experiment wird daher höchstwahrscheinlich nicht mehr funktionieren. Auch die Einnahmen durch das Jonglieren sind nun gegen 0 gesunken – es ist hier wohl nicht mehr üblich dafür Geld zu geben.
Ich hätte zwar die Möglichkeit gehabt direkt aus Timisoara einen Bus bis zum schwarzen Meer zu nehmen um das Experiment abzuschließen, jedoch war mir diese Hektik das nicht wert und ich wollte ja ein wenig mit Anton weiterreisen. Letztlich will ich etwas erleben und nicht hetzen.
Wenn ich das schwarze Meer noch erreichen sollte und nicht wieder eine andere Strecke wähle, teile ich natürlich all die Ausgaben und Einnahmen auf dieser Strecke mit.
Experiment gestoppt // Experiment wäre nur theoretisch realisierbar gewesen, wenn ich einen Bus direkt an das schwarze Meer genommen hätte.
Craiova (ca. 200km entfernt) ist das nächste Ziel und ich erreiche es innerhalb 4h mit 4 verschiedenen Fahrern (Kommuniziert wird mit Hand und Fuß und natürlich dem Google Translator / iTranslate). Eine Unterkunft habe ich bereits gefunden gehabt und freue mich schon Bojan und seine Mitbewohner kennen zu lernen.
Fast eine ganze Woche verweile ich jetzt schon in Craiova und mir wird klar, dass es immer schwerer wird einen Ort zu verlassen umso länger und intensiver man mit den Menschen zu tun hat. Ehrlich gesagt wäre ich was die Stadt selbst betrifft bereits nach spätestens zwei Tagen aufgebrochen. Jedoch sind es die Bekanntschaften und Freundschaften die man anfängt zu schließen und diese bringen einen dazu länger zu bleiben (wie vorher auch schon in anderen Städten).
Man tauscht Erfahrungen und Lebensabschnitte aus, kocht und lacht zusammen, lernt (in diesem Fall Mazedonisch, Griechisch, Türkisch, Spanisch) neue Wörter, erfährt von der jeweiligen Kultur und beginnt zu realisieren wie unterschiedlich es in den Ländern so zugeht.
Nebenvermerkt nach 5 Ländern: „Streicht die Klischees erstmal aus den Köpfen, bis ihr in dem jeweiligen Land gewesen seid und mit Menschen vor Ort gesprochen habt“
Lange Zeit finde ich keinen Host in Bukarest, jedoch macht mir die Gastfreundschaft in Craiova es echt sehr leicht. „Du kannst bleiben solange du willst Kais“. Bojan und Theodora (eine Mitbewohnerin von Bojan) beginnen dazu Freunde in Bukarest anzuschreiben, und einer bestätigt positiv. Morgen ist es soweit und ich werde die Hauptstadt Rumäniens betreten und bin somit kurz vor meinem ersten Ziel (des verfälschten Experiments) – dem Schwarzen Meer.
Meine Fahrer In diesem Streckenabschnitt:
Dani, Anna-Maria, Violetta, Marie (m), Sandujul
Gastgeber auf diesem Streckenabschnitt:
Merve, Rodica, Bojan (Gisela, Theodora, Emre)
Lieber Kais,
interessant, interessant Deine Begleiter und Begieiterinnen. Ja, einmal da, kann man schon mal länger bleiben. Es sind die Menschen, die man kennenlernt.
Deine Fotos sind ne Wucht, ganz anders, die man so kennt.
In grossen Ansammlungen von Menschem findest Du auch mehr Interessiert für Dein Spiel – aber nichts für Ungut, in kleinen geht es manchmal auch bestens, wenn auch nicht so, wie man vorher gedacht.
Die verschiedenen Sprachen sind kulturell viel Wert – achte mal darauf, für welche Wörter es keine deutschen gibt und umgekehrt.
Ich wünsche Dir weiterhin einen guten Trip und denk an das Glück, es kommt manchmal ganz, ganz klein daher.
Tschüss,
Karsten